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News

19.11.2016

Hochschulen in Litauen im Wandel

Professor der SRH Calw mit Expertenteam in Litauen

 

Prof. Dr. Stephan Schöning von der SRH Hochschule für Wirtschaft und Medien Calw besuchte Ende Oktober zum dritten Mal als Mitglied einer internationalen Expertengruppe fünf Hochschulen in Litauen.

Anlass war die Akkreditierung von Professional Bachelor, Bachelor- und Masterstudiengängen im Bereich Finance durch die staatliche Akkreditierungsagentur SKVC. Die Marineakademie in Klaipėda (ehemals Memel), das Kolleg in Marijampolé sowie eine Business School und zwei Universitäten in der Hauptstadt Vilnius standen auf dem Programm. Verglichen mit Deutschland zeigen sich durchaus Vorteile eines dreigeteilten Hochschulsystems: „Wir sollten überlegen, ob die Unterteilung in zwei Arten von Bachelor-Studiengängen auch in Deutschland zweckmäßig ist: Während der Bachelor auf weiterführende Masterstudiengänge vorbereitet und dementsprechend Schwerpunkte im Bereich Theorie und wissenschaftliches Arbeiten legt, ist der Professional Bachelor stark praxisorientiert. Der Übergang zu weiterführenden Studiengängen ist dort zwar möglich, erfordert aber das Absolvieren entsprechender Brückenkurse.“

25 Jahre nach der Unabhängigkeit sind die Spuren der Sowjet-Ära noch überall im Land und auch in den Hochschulen deutlich zu sehen, nicht nur bei den Bauwerken. Allerdings zeichnet sich bei der Altersstruktur der Dozenten mittlerweile ein Generationenwechsel ab und auch die Kenntnisse westlicher Fremdsprachen verbessern sich zusehends. Zunehmende Probleme für das gesamte Hochschulsystem resultieren hingegen aus der demografischen Entwicklung, denn in den letzten Jahren sank die Anzahl der Schulabgänger um 20 %! Ungewohnt für deutsche Verhältnisse ist zudem, dass die Lehrveranstaltungen für Vollzeit-Masterstudiengänge abends und am Wochenende stattfinden, da fast alle Studierenden Vollzeit arbeiten. Dementsprechend sind die Bibliotheken der großen Hochschulen entweder rund um die Uhr oder aber zumindest bis 2 Uhr nachts geöffnet.

Insgesamt belegte die Reise eindrucksvoll, welche immensen Vorzüge die Europäische Union trotz der aktuellen Probleme hat: Während der vielen Gespräche mit den Kollegen aus Estland, Ungarn und Litauen kam immer wieder auch die Zeit der Teilung Europas und das Überleben in nicht-demokratischen Ländern zur Sprache. Und mittlerweile sind Reisefreiheit und freie Meinungsäußerung selbstverständlich.