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Das Plakat zur Kampagne der SRH Hochschule Calw wirbt fürs Impfen

15.04.2010

Ein Piks kann das Hirn schützen

Kampagne ruft zu Impfaktion auf/ Im Frühjahr erwachen die Zecken/ Land gehört zu den Risikogebieten

„Mir geht es gut“, sagt Evelyne Bachmann. Wenn jemand so schwer krank war wie die Hotelchefin aus dem Landkreis Miltenberg im Odenwald, ist so etwas relativ zu sehen.

Bachmann war im Juni 2006 beim Spaziergang mit ihrem Hund von einer Zecke gebissen worden. Sie erkrankte an FSME (Frühsommer Meningoenzephalitis), eine Art der Hirnhautentzündung. Die akute Erkrankung dauerte vier Monate. Der Geschäftsfrau fällt es noch heute schwer, darüber zu sprechen. Sie war gelähmt, konnte weder noch sprechen noch gehen. Bachmann: „Es war nur dunkel, ein Loch ohne Ende.“

Heute geht es ihr sehr viel besser. Sie leidet aber immer noch an den Spätfolgen. Das sind Kopfschmerzen, Sprachprobleme und sie braucht tagsüber mindestens ein bis zwei Stunden Schlaf.
So ist ihr auch die Autofahrt nach Calw schwer gefallen. In den Nordschwarzwald ist sie gekommen, weil sie sich im fsme-netzwerk Deutschland engagiert. Die Organisation kümmert sich vor allem um die psychische Betreuung der Erkrankten, die laut Bachmann viel zu kurz kommt.

Der Kreis Calw zählt innerhalb Baden-Württembergs zu den drei am stärksten betroffenen Gebieten, hinter dem Ortenaukreis und dem Kreis Freudenstadt, gefolgt vom Landkreis Rottweil, wie die erste Landesbeamtin Claudia Stöckle sagte. 2009 sind im Land 146 Menschen erkrankt, nur 28 Prozent der Baden-Württemberger sind geimpft. Grund genug für das Netzwerk, sich mit dem Landratsamt und der SRH Hochschule Calw zusammenzutun, um eine Kampagne ins Leben zu rufen, die zum Impfung gegen FSME aufruft. Denn nur sie bietet Schutz, macht Mediziner Joachim Wetzig, Leiter der Abteilung Gesundheit und Versorgung im Landratsamt, klar. Ist die Krankheit erst ausgebrochen, lässt sie sich nur schwer behandeln, führt meist, wie bei Evelyne Bachmann, zu schwerwiegenden Folgeschäden, in etwa einem Prozent der Fälle sogar zum Tod.

„Wir waren geschockt“, erinnert sich Moritz Silzer, der in Calw Kommunikationsmanagement studiert, an die langen Gespräche mit Bachmann. Bevor die Studierenden begannen, zusammen mit Christoph Fasel, Dekan des Fachbereichs, die Kampagne zu entwickeln, haben sie sich ausführlich mit einer Betroffenen befasst.

Die Impfmüdigkeit nimmt zu, berichtet Bijan Kouros, beim Ministerium für Arbeit und Soziales im Baden-Württemberg zuständig für Gesundheitsschutz und Arzneimittelüberwachung. Auch wenn es nur ein kleiner Piks ist, wird die Impfung, für die man eigens zum Arzt muss, als lästig empfunden, so Fasel. Ein schwieriges Präventionsthema also.

Das haben der Kommunikationswissenschaftler und seine Studierenden mit der Kampagne „Wer Hirn hat soll es schützen“ gut gelöst. Fasel: „Wir haben ein Plakat entwickelt, das auffällt und einen Flyer, der informiert“. Die Plakate hängen in den großen Städten im Süden Baden Baden-Württembergs, die Flyer werden in den Arztpraxen, Apotheken und Schulen verteilt.

Das Projekt hat Pilotcharakter für das ganze Land. Es ist so Konzipiert, dass es von anderen Landkreisen übernommen werden kann. Kouros hat die Calwer Macher zur nationalen Impfkonferenz 2011 nach Stuttgart eingeladen, um über ihre Erfahrungen zu berichten. Gut möglich, dass die Kampagne bundesweit bekannt wird.

Weitere Informationen:
www.wer-hirn-hat-soll-es-schuetzen.de

 

(Quelle: Schwarzwälder Bote)