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News

02.02.2010

Calwer Modell

Die erfreuliche Nachricht vorab. Die SRH Hochschule Calw ist in ihrem Fortbestand nicht gefährdet und denkt zum Wintersemester 2011/12 an einen Ausbau auf bis zu 500 Studienplätze. Die weniger erfreuliche Nachricht für die Einrichtung: Der Wissenschaftsrat in Berlin hat ihr jetzt die institutionelle Akkreditierung versagt.

Daraus zieht die Hochschule, wie sie gestern mitteilte, ihre Konsequenzen. Indem sie sich nämlich vom Hochschulmodell des Gründerkreises um den Calwer Steuerberater Bernd Neufang löst. Dies erklärte der Vorstandsvorsitzende der SRH, Klaus Hekking, in einer Stellungnahme zum Gutachten des Wissenschaftsrats.

Bei der Gründung der privaten Hochschule im Jahr 2001 wurde das "Calwer Modell" als innovatives Lehrprinzip eingeführt, bei dem freiberuflich tätige Wirtschaftsprüfer und Steuerberater als Professoren und Dozenten die Lehre übernehmen. Dahinter stand die Überlegung, den Studierenden nicht nur eine solide theoretische Ausbildung zu bieten, sondern ihnen auch die Arbeitsweise und den Praxisbezug freier Berufe authentisch und aktuell zu vermitteln.

Der Wissenschaftsrat hat in seinem Gutachten zur institutionellen Akkreditierung die positive Entwicklung unter dem neuen Träger SRH seit 2005 durchaus bestätigt und die Qualität der Lehre nicht beanstandet. Die Defizite seien dennoch so weitreichend, dass sie nicht durch Auflagen zu heilen sind, heißt es aber auch. Und es kommt noch deutlicher: Die Stellung der Hochschulleitung im Organisationsgefüge der Hochschule sei zu dominant ausgestaltet, wird beispielsweise festgestellt. Oder: Die Hochschule sei bei der Auswahl ihrer Professorenschaft bis zum Zeitpunkt des Inkrafttretens der neuen Grundordnung im Juni 2009 nicht den üblichen Prinzipien der Bestenauslese gefolgt. Im Zentrum der Kritik steht jedoch der Umstand, dass ein erheblicher Teil der Professorenämter an der SRH Hochschule Calw nicht in der erforderlichen Weise wahrgenommen wird.

Der Wissenschaftsrat hat sich dafür ausgesprochen, das "Calwer Modell" durch ein Hochschulmodell zu ersetzen, in dem die Lehre überwiegend von hauptberuflichen Professoren durchgeführt wird. Der Träger und die Hochschulleitung werden nun prüfen, welche Konsequenzen im Einzelnen aus dem Gutachten des Wissenschaftsrats zu ziehen sind. Dazu werden sie in den nächsten Wochen Gespräche mit dem baden-württembergischen Wissenschaftsministerium führen. Dieses ist für die staatliche Anerkennung privater Hochschulen zuständig.

Das Votum des Wissenschaftsrats ist, wie die Hochschulleitung betont, eine Empfehlung und hat keine Auswirkungen auf den Studienbetrieb, der in vollem Umfang weitergeführt wird. Alle Studiengänge in Calw seien von einer unabhängigen Agentur fachlich akkreditiert worden. Studienleistungen und Abschlüsse aller eingeschriebenen Studierenden seien weiterhin gesichert.

(Quelle: Schwarzwälder Bote)